Tuesday, June 3, 2014

Moos-Polster unter dem Bonsai

Man kennt doch dieses buschige, leuchtend grüne Moos-Polster das auf den älteren Fotos von Bonsais zu sehen sind, wenn aus dem Nebari wie eine Hügellandschaft feines Moos wie Rasen aussieht :)

Wie man sowas leicht herstellen kann, wird hier erklärt:

  1. Man sammelt eine Handvoll Moos, schabt sie von bemoosten Flächen ab und säubert dieses von anderem organischen Zeug (alte Blätter oder anderes (Un-)Kraut).
  2. das Moos wird in eine flache Schale gegeben und mit leichtem Druck mit etwas Wasser zerkleinert. Ziel ist eine möglichst homogene flüssige Masse zu erhalten.
  3. optional: das zerkleinerte Moos in eine Flasche geben, halb mit Wasser auffüllen und kräftig schütteln.
  4. mit dieser flüssigen Masse vorsichtig die frische Erde wässern.
  5. optional: das Gießwasser enthält winzige Moospflanzen. man kann damit den unteren Ansatz des Stammes oder herausragender Wurzeln gießen und es wird auch hier ein feines Moospolster entstehen.
  6. Ein paar Monate später, spätestens zur nächsten Vegetationsperiode ist das Moospolster fertig.


Die Vorteile sind hauptsächlich ästhetischer Natur: selbst bei frisch umgepflanzten Bäumen kann man so schnell ein älteres Aussehen und eine dramatischere Szene erschaffen. Das Moos gilt auch als Schutz vor Wärme und Kälte.

Nachteile gibt es auch, und die Methode sollte mit Bedacht benutzt werden: Moos deckt die obere Erdschicht ab. Es blockiert auch den Feuchtigkeitsweg zur Erde hin. Selbst das Gießen ist schwerer, denn das Moos gibt nur Wasser weiter, wenn es selbst durchtränkt ist.

Mit einer kleinen Schere lässt sich das Moos jedes Jahr flach schneiden und es wird schnell feiner.

Bestand

Vor 3 Jahren habe ich südlich der Elbe in einem Wald 2 Fichten (picea sp.)und einen Laubbaum als Yamadori gesammelt:

Alle drei sind ziemlich klein - ich bin kein Fan von Bonsais die größer als 40 oder 50 cm hoch sind. Und so kleine Bäume aus der Natur sind noch recht jung, daher sind auch Stamm und Äste nicht sehr dick. Alle 3 haben einen Moos-Teppich. (siehe Post)

Fichte 1 (picea sp.) - "geneigter Stamm" - September 2013

Eine Fichte (Fichte 1) wurde als "geneigter Stamm" geformt, und bei der zweiten (Fichte 2) ist es eine Mischung aus Halbkaskade und "frei aufrecht": der Baum neigt sich über den Schalenrand hinaus nach unten aber nicht weit genug nach unten um als klassische Halbkaskade zu dienen.



Fichte 2 (picea sp.) - frei aufrecht, Halbkaskade geplant
Bei den Fichten wurden letzte Woche die Triebe gekürzt. Da ich auch hier nicht sicher bin welche Art ich vor mir habe, finde ich auch keine spezifischen Anleitungen. Die Nadeln kommen am Zweig in Büscheln, die länger werden und im nächsten Jahr dunkler werden. Ich kürze hier einfach an jedem Trieb ein Drittel oder die Hälfte, indem ich die Spitze mit Pinzette oder Fingernagel auszupfe.

Der Laubbaum - Ich wüsste gerne was für eine Art das ist, ich komm nicht drauf :) Der Stamm ist rötlich, glatt, leicht metallisch glänzend. Bei den Blättern muss ich an Birke denken, aber sie sind oben auf schwach behaart.

Laubbaum - Literatenform-artig geplant.


Der leider beträchtliche Schaden beim sammeln ließ mir bei der Gestaltung des Laubbaums nicht viel Spielraum :) Erst dachte ich an eine windgepeitschte Literaten-Form, aber zum Glück wuchs der andere Ast wieder auf. Also Literatenform!

Der ziemlich lange (tote) Haupt-Ast wurde heute nochmal gekürzt auf 5 Zentimeter.




Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

Es ist schon einige Zeit her, dass ich mit der Aufzucht von Bonsais begonnen habe.
1988 bekam ich ein Buch über Bonsais geschenkt und war verzaubert. Ausprobiert habe ich das gelernte auch gleich indem ich einige Baum-Samen eingepflanzt habe, damals in Schweden in einer kleinen sonnigen Ecke im Garten. Es war auch eine Kiefer dabei, und ein paar Jahre war ich begeistert. Als der Umzug kam, habe ich sie dagelassen.

In meinem eigenen Garten in Buzios habe ich auch welche gezogen, und deutlich bessere Ergebnisse erhalten.
Ich erinnere mich, am Straßenrand bei einem "Pflanzenverkäufer" einen merkwürdigen Nadelbaum gefunden zu haben: bläulich mit kleinen Spitzen, eine dunkle Rinde, und eine erstaunliche, deformierte, kriechende Form; wie sich herausstellte war dies eine "Tuia jacaré". Als halbkaskade gebaut war sie wirklich schön.
Bei diesem Verkäufer erwarb ich zahlreiche native Bäumchen für kaum Geld. Darunter zwei gelbe Ipês, die zwar nie geblüht, aber überlebt und ihre Form erhalten haben: einen im "streng aufrechten", den anderen im "geneigtem Stamm"-Stil. Allerdings wäre das klassische Dreieck mit längeren Ästen unten, hier nicht geeignet gewesen: die Bäume zeigen in der Natur einen langen, hellen und kahlen Stamm und weit oben eine ovale Kuppel aus hellen Blättern, oder leuchtend gelben oder rosafarbenen Blüten! Tabebuia spec. (wikipedia: Tabebuia)
Wieder ein Umzug, und die Bäume wieder nicht mitgenommen / nehmen können. Die Tuia lebt heute noch. Ungepflegt aber sie sieht immer noch gut aus.

Und nun in Deutschland, habe ich wieder mit nativen Bäumchen angefangen. Daher dieser Blog :)