Saturday, March 14, 2015

Abmoosen

Ich wollte schon immer mal einen Wacholder (Juniperus sp.) als Bonsai haben,  aber die Dinger sind so schwer anzuziehen. Aus Samen sehr schwer, zumal die extrem langsam wachsen. Yamadori, habe ich nie die Gelegenheit gehabt einen ausreichend kleinen Wacholder zu finden. Also habe ich nun den Versuch gestartet einen Wacholder-Bonsai durch abmoosen zu erhalten.

Die Idee dahinter ist es einen apikalen Ast mit Wurzeln zu versehen, um ihn dann als Bonsai abzunehmen.

Als erstes stand die Auswahl eines guten Astes an: gesund, robust, die richtige Größe mit ein paar Verzweigungen am Stamm. Ich habe meinen Ast gefunden.

ein gesunder, gut wachsender Wacholder-Ast, der genügend Licht abbekommt.

Direkt unterhalb einer Knospe wird ein Ring in die Rinde geschnitten, mindestens so breit wird der Astdurchmesser. Die Rinde wird mitsamt dem Kambium vollständig entfernt, so tief bis das Kernholz erreicht wird. Es dürfen keine Teile des Kambiums übrig bleiben, damit sich der Baum keine "Brücke" bauen kann.

Rinde und Kambium wurden entfernt, die Breite des Rings ist etwa gleich dem Durchmesser des Astes.

Unterhalb des eingeschnittenen Rings wird eine Plastiktüte mit einem Draht befestigt. Der Draht wird mit der Zange stark angezogen, der Ast wird an der Stelle eingeschnürt. Am oberen Rindenrand wird rundum Bewurzelungshormon aufgetragen, da an dieser Stelle die Wurzeln entstehen sollen.

Am oberen Schnittrand wird Bewurzelungshormon aufgetragen, bevor das Moos angelegt wird.
 
Nun wird um den Rindenschnitt Sphagnum-Moos gepackt und dicht gedrückt, mit der Plastiktüte fest umwickeln, so dass hier eine Tasche entsteht. Fest andrücken, und oberhalb fest mit Draht oder Schnur umwickeln. Ich bin mir nicht sicher ob es sich bei mit um Sphagnum- oder ein anderes Moos handelt, aber es wird für meine Zwecke hoffentlich ausreichen. Ebenso habe ich einen Teil Bonsaisubstrat (Akadama:Bonsaierde 1:1) beigemischt zu drei Teilen Moos.
 
Sphagnum-Moos in einem festen Ballen gut um die Schnittstelle einwickeln.

Der Batzen um den Rindenring muss fest angedrückt sein, und gut verschlossen sein. Wichtig ist, dass er von nun an feucht gehalten werden muss. Entweder belässt man an der Oberseite die Möglichkeit die Tüte dort aufzuwickeln um Wasser einzugeben oder man kann den Beutel auch mit einer herkömmlichen Spritze wässern (meine Wahl). Auf der Unterseite und Rand des Beutels werden ein paar Löcher gestochen, damit überflüssiges Wasser ablaufen kann und an das Ganze etwas Luft kommen kann.

der fertige Ballen wird feuchtgehalten und 6 Monate am Baum belassen.

Der "Beutel" wird nun an dem Baum belassen und wöchentlich leicht bewässert. Vorsicht vor Staunässe und vor vollständigem Austrocknen. Der Ast selber sollte reichlich Sonnenlicht abbekommen, wobei der Beutel eher im Schatten sein darf.

Vom Prinzip her wird beim Abmoosen die Transportrichtung von den Blättern zu den Wurzeln (Assimilationsprodukte und Energieträger) durch Entfernung der Rinde und des Kambiums unterbrochen. Der Ast wird weiterhin mit Wasser von den Wurzeln versorgt (Transport "innen" über die Kernholzkapillaren), kann aber die Stoffwechselprodukte nicht mehr zurück an die Wurzeln schicken, es Bildet sich am oberen Schnittrand des Rings ein "Stau".

Der Baum versucht nun diese Wunde zu überbrücken indem er einen Kallus bildet. Gelingt ihm die Überbrückung werden keine Wurzeln entstehen. Sonst muss er zum überleben, durch den Kontakt mit dem Moos-Substrat, dann Wurzeln bilden. Der Ast kann dann unterhalb des neuen Wurzelballens abgenommen und direkt in eine Anzuchtschale gebracht werden.

Der "Beutel" sollte mindestens 6 Monate möglichst ungestört an dem Ast bleiben. Gerade bei Nadelgehölzen ist auch eine Dauer von einem Jahr oder mehr angebracht, bei Laubbäumen geht es normalerweise schneller. Im März angelegt, werde ich im September nachsehen ob sich schon Wurzeln gebildet haben.

Ich bin gespannt.





Erdmischungen

Mit dem Frühlingsanfang vor der Tür beginnt auch (endlich) die Bonsai-Saison wieder, und damit die Aktivitäten rund um meine Bonsais.

In der klassischen Fachliteratur (The Art of Bonsai, Yuji Yoshimura & G. Halford, 1957) habe ich mich über Erdmischungen erkundigt. Heutzutage wird so oft empfohlen Akadama zwischen 70 und 100% zu benutzen, ich wollte es genau wissen.

In dem bekannten o.g. Buch wird bei der Erdmischung unterschieden zwischen Bäumen, die sich noch "in Training" befinden, und solchen die "fertig" sind. Da ist die Erdmischung offenbar anders. Gleichwohl gibt es 3 bis 5 unterschiedliche Schichten, von ganz unten bis zur Oberfläche, bei denen die Erdmischung ebenfalls variieren sollte. Ich werde hier die "Hauptmischung" bezeichnen, die in der "Mitte" der Schale immerhin über 80% ausmacht:

Erdmischungen in %
S=Sand, B=Bonsai-( oder Blumen-)erde, Mulch, C=Tongranulat (Akadama), L=Humus

Nadelbäume:                   S 20%, C 50%, B 30%
Laubbäume:                    C 30%, B=70%
Blüten- & Fruchtbäume: C 20%, B 70%, L 10%
Ahorn:                             C 70% B 20%, L 10%
Stecklinge:                      C 100%

Ich selber habe mich entschieden, bei Stecklingen Akadama und Erde 2:1 zu benutzen

Thursday, March 12, 2015

Stecklinge gesetzt

Heute wurde die erste Reihe von Stecklingen gesetzt.
Ich habe mir auf amazon ein Wurzelhormon bestellt (Clonex) welches angeblich helfen soll beim Aufziehen von Stecklingen und beim Abmoosen.

Die Erdmischung wurde vorbereitet mit Akadama und Erde im Verhältnis 2:1 und in kleine Plastik-Töpfe gefüllt (etwa 4-5 cm Erdschicht).
Die Stecklinge selbst hatten mindestens 5 Internodien und wurde schräg angeschnitten kurz unter der letzten Knospe. Danach wurde die untere Spitze in Bewurzelungshormon getaucht und in den Topf gesteckt.  Aus Platzgründen wurden jeweils 3 Stecklinge in einen Topf untergebracht.
Stecklinge fertig im Topf, Das Bewurzelungshormon (rosa Gel in der Schale) daneben

Dann wird gegossen, mit einem Gieß-Blasebalg, der einen sehr feinen Strahl Wasser abgibt, so dass die Erde an der Oberfläche nicht abgeschwemmt wird. Der Topf wird dann in den Wind- und Sonnenschatten gestellt.
Regelmäßig feucht halten, im Schatten behalten, sollten die Stecklinge, falls sie greifen, in 2 bis 3 Wochen sichtbar Wachstum zeigen. Ich bin gespannt.

Gepflanzt habe ich Apfel (mallus),  Kirsche (prunus), Birke (betula), Buche ? (fagus) und als Versuch Wacholder (Juniperus) als Stecklinge gesetzt. Ein ertragreicher erster Tag :)
fertige "Ausbeute" an Stecklingen vom ersten Tag. Immer schön feucht halten.


Tuesday, June 3, 2014

Moos-Polster unter dem Bonsai

Man kennt doch dieses buschige, leuchtend grüne Moos-Polster das auf den älteren Fotos von Bonsais zu sehen sind, wenn aus dem Nebari wie eine Hügellandschaft feines Moos wie Rasen aussieht :)

Wie man sowas leicht herstellen kann, wird hier erklärt:

  1. Man sammelt eine Handvoll Moos, schabt sie von bemoosten Flächen ab und säubert dieses von anderem organischen Zeug (alte Blätter oder anderes (Un-)Kraut).
  2. das Moos wird in eine flache Schale gegeben und mit leichtem Druck mit etwas Wasser zerkleinert. Ziel ist eine möglichst homogene flüssige Masse zu erhalten.
  3. optional: das zerkleinerte Moos in eine Flasche geben, halb mit Wasser auffüllen und kräftig schütteln.
  4. mit dieser flüssigen Masse vorsichtig die frische Erde wässern.
  5. optional: das Gießwasser enthält winzige Moospflanzen. man kann damit den unteren Ansatz des Stammes oder herausragender Wurzeln gießen und es wird auch hier ein feines Moospolster entstehen.
  6. Ein paar Monate später, spätestens zur nächsten Vegetationsperiode ist das Moospolster fertig.


Die Vorteile sind hauptsächlich ästhetischer Natur: selbst bei frisch umgepflanzten Bäumen kann man so schnell ein älteres Aussehen und eine dramatischere Szene erschaffen. Das Moos gilt auch als Schutz vor Wärme und Kälte.

Nachteile gibt es auch, und die Methode sollte mit Bedacht benutzt werden: Moos deckt die obere Erdschicht ab. Es blockiert auch den Feuchtigkeitsweg zur Erde hin. Selbst das Gießen ist schwerer, denn das Moos gibt nur Wasser weiter, wenn es selbst durchtränkt ist.

Mit einer kleinen Schere lässt sich das Moos jedes Jahr flach schneiden und es wird schnell feiner.

Bestand

Vor 3 Jahren habe ich südlich der Elbe in einem Wald 2 Fichten (picea sp.)und einen Laubbaum als Yamadori gesammelt:

Alle drei sind ziemlich klein - ich bin kein Fan von Bonsais die größer als 40 oder 50 cm hoch sind. Und so kleine Bäume aus der Natur sind noch recht jung, daher sind auch Stamm und Äste nicht sehr dick. Alle 3 haben einen Moos-Teppich. (siehe Post)

Fichte 1 (picea sp.) - "geneigter Stamm" - September 2013

Eine Fichte (Fichte 1) wurde als "geneigter Stamm" geformt, und bei der zweiten (Fichte 2) ist es eine Mischung aus Halbkaskade und "frei aufrecht": der Baum neigt sich über den Schalenrand hinaus nach unten aber nicht weit genug nach unten um als klassische Halbkaskade zu dienen.



Fichte 2 (picea sp.) - frei aufrecht, Halbkaskade geplant
Bei den Fichten wurden letzte Woche die Triebe gekürzt. Da ich auch hier nicht sicher bin welche Art ich vor mir habe, finde ich auch keine spezifischen Anleitungen. Die Nadeln kommen am Zweig in Büscheln, die länger werden und im nächsten Jahr dunkler werden. Ich kürze hier einfach an jedem Trieb ein Drittel oder die Hälfte, indem ich die Spitze mit Pinzette oder Fingernagel auszupfe.

Der Laubbaum - Ich wüsste gerne was für eine Art das ist, ich komm nicht drauf :) Der Stamm ist rötlich, glatt, leicht metallisch glänzend. Bei den Blättern muss ich an Birke denken, aber sie sind oben auf schwach behaart.

Laubbaum - Literatenform-artig geplant.


Der leider beträchtliche Schaden beim sammeln ließ mir bei der Gestaltung des Laubbaums nicht viel Spielraum :) Erst dachte ich an eine windgepeitschte Literaten-Form, aber zum Glück wuchs der andere Ast wieder auf. Also Literatenform!

Der ziemlich lange (tote) Haupt-Ast wurde heute nochmal gekürzt auf 5 Zentimeter.




Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt

Es ist schon einige Zeit her, dass ich mit der Aufzucht von Bonsais begonnen habe.
1988 bekam ich ein Buch über Bonsais geschenkt und war verzaubert. Ausprobiert habe ich das gelernte auch gleich indem ich einige Baum-Samen eingepflanzt habe, damals in Schweden in einer kleinen sonnigen Ecke im Garten. Es war auch eine Kiefer dabei, und ein paar Jahre war ich begeistert. Als der Umzug kam, habe ich sie dagelassen.

In meinem eigenen Garten in Buzios habe ich auch welche gezogen, und deutlich bessere Ergebnisse erhalten.
Ich erinnere mich, am Straßenrand bei einem "Pflanzenverkäufer" einen merkwürdigen Nadelbaum gefunden zu haben: bläulich mit kleinen Spitzen, eine dunkle Rinde, und eine erstaunliche, deformierte, kriechende Form; wie sich herausstellte war dies eine "Tuia jacaré". Als halbkaskade gebaut war sie wirklich schön.
Bei diesem Verkäufer erwarb ich zahlreiche native Bäumchen für kaum Geld. Darunter zwei gelbe Ipês, die zwar nie geblüht, aber überlebt und ihre Form erhalten haben: einen im "streng aufrechten", den anderen im "geneigtem Stamm"-Stil. Allerdings wäre das klassische Dreieck mit längeren Ästen unten, hier nicht geeignet gewesen: die Bäume zeigen in der Natur einen langen, hellen und kahlen Stamm und weit oben eine ovale Kuppel aus hellen Blättern, oder leuchtend gelben oder rosafarbenen Blüten! Tabebuia spec. (wikipedia: Tabebuia)
Wieder ein Umzug, und die Bäume wieder nicht mitgenommen / nehmen können. Die Tuia lebt heute noch. Ungepflegt aber sie sieht immer noch gut aus.

Und nun in Deutschland, habe ich wieder mit nativen Bäumchen angefangen. Daher dieser Blog :)